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NAVIS e.V. ist eine moderne, ehrenamtliche Organisation zur Hilfeleistung bei Katastrophen im In- und Ausland. Das zugrundeliegende Konzept wurde von erfahrenen Katastrophenhelfern aus den Reihen der Feuerwehr und des Rettungsdienstes in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus den Bereichen Medizin, Technik, Kommunikation, Betriebswirtschaft, Logistik und Trinkwasseraufbereitung entwickelt. Um die Kompatibilität im internationalen Einsatz zu gewährleisten, wurden bei der Planung die INSARAG-Richtlinien der Vereinten Nationen für Hilfseinheiten berücksichtigt.

Wie kam es zur Gründung von NAVIS e.V.?

Als am 26. Dezember 2004 ein Tsunami in den Küstenregionen Südostasiens großflächige Zerstörungen hervorrief und hunderttausende von Menschen getötet oder verletzt wurden, entstand in den Reihen der Flughafenfeuerwehr München das Bedürfnis, Hilfe zu leisten.

Am Nachmittag des 30. Dezembers sagte die Lufthansa zu, der geplanten Aktion einen Fracht-Jumbo kostenlos zur Verfügung zu stellen, mit der Möglichkeit, ca. 100 Tonnen an Hilfsgütern in das Krisengebiet zu transportieren. Die Flughafen München GmbH unterstützte die Aktion mit 30000 Euro. Die inzwischen gebildete Einsatzleitung am Münchener Flughafen entschied sich, in Abstimmung mit dem zuständigen Honorarkonsul Hans Hammer, für den Süden Sri Lankas als Einsatzgebiet.

In Zusammenarbeit mit notfall- und tropenmedizinisch erfahrenen Ärzten der Feuerwehr und Fachleuten aus dem technischen Bereich wurde das weitere Vorgehen geplant. Noch in der Nacht des 30. Dezember wurden erste Kontakte mit Herstellern benötigter Hilfsgüter und Ausrüstung aufgenommen. Bereits bis zum frühen Nachmittag waren 101 Tonnen Hilfsgüter und Ausrüstung zugesagt: 24 Tonnen Medikamente und medizinische Ausrüstung, 22 Tonnen technische Geräte, 15 Tonnen Trinkwasser und Lebensmittel, sowie 20 Tonnen weitere Hilfsgüter wie Kleidung, Decken, Feldbetten und Zelte.

Noch in derselben Nacht begannen zahlreiche um Mithilfe gebetene Berufsfeuerwehren damit, die aus dem gesamten Bundesgebiet gespendeten Hilfsgüter zum Münchner Flughafen zu transportieren. Während zwei Tage später die erste Einsatzmannschaft, bestehend aus fünf Feuerwehrmännern und einem Arzt, nach Sri Lanka aufbrach, begannen am Münchner Flughafen die Verladearbeiten. Die Flughafen München GmbH stellte die benötigt Logistik und Lagerkapazität zur Verfügung und freiwillige Feuerwehren unterstützten die Arbeiten mit Personal.

Die OMV-Mineralölgesellschaft am Münchner Flughafen spendete den für den Frachtflug benötigten Treibstoff im Wert von 50000 Euro. Am 4. Januar übernahm die erste Einsatzgruppe die Hilfsgüter am Flughafen in Colombo, transportierte diese mit zehn Lastwagen in das Zielgebiet im Süden von Sri Lanka und organisierte die Verteilung. Außerdem wurde damit begonnen, die unbrauchbar gewordenen Trinkwasserbrunnen instand zu setzen und die betroffene Bevölkerung medizinisch zu versorgen. Im weiteren Verlauf waren insgesamt 20 Hilfsteams über sechs Monate im Einsatz.

Insgesamt wurden 230 Tonnen Hilfsgüter nach Sri Lanka transportiert und verteilt. Etwa 3500 Personen wurden medizinisch versorgt, nahezu 1020 Trinkwasserbrunnen instandgesetzt und über 1600 Zelte zur Verfügung gestellt und aufgebaut.

Nach Abschluss der Tsunami-Hilfsaktion ließ das gemeinsam Erreichte staunen, dass es möglich war, in dieser kurzen Zeit aus dem Nichts heraus eine so schnelle, effektive und umfassende Hilfe für die betroffenen Menschen zu organisieren. Aus dieser Erfahrung erwuchs der Wunsch, bei kommenden Katastrophen wieder mit anzupacken. Da wegen zahlreicher rechtlicher, versicherungstechnischer und organisatorischer Probleme die Flughafenfeuerwehr München nicht dauerhaft die organisatorische Plattform für solche Unternehmungen sein konnte, wurde der Entschluss gefasst, hierfür einen gemeinnützigen Verein als Träger zu gründen: Die Entstehung von NAVIS e.V. Schnelle Hilfe ohne Grenzen.